Die Taube im Wandel der Zeit

5.000 v. Chr.
Menschen und Tauben beginnen, miteinander zu kooperieren. Damals lebt die Wildform der Taube in Felsen an der Küste des Atlantischen und des Pazifischen Ozeans. Als sich die ersten Menschen dort niederlassen und mit dem Ackerbau beginnen, werden die Tauben vom Getreide angezogen.

Und kommen von dem Stoff bis heute nicht mehr los.

3.000 v. Chr.
Die Sumerer halten sich Tauben vor allem aus praktischen Gründen.
Sie essen ihr Fleisch und locken mit ihnen Greifvögel an.

2.700 v. Chr.
Die Ägypter schätzen an der Taube vor allem ihren Kot, der sich hervorragend zum Düngen eignet.

2.340 v. Chr.
In diesem Jahr soll die Sintflut tatsächlich stattgefunden haben.

2.300 v. Chr.
Der Sumerische König Sargon von Akkad gilt als der Vater der Taubenpost. Er lässt alle seine Boten mit Brieftauben ausstatten, die sie im Falle eines Überfalls freilassen sollen. So ist er immer über kriminelle Aktivitäten in seinem Reich informiert.

2.200 v. Chr.
Die akkadische Göttin Ishtar ist der Archetyp der Liebesgöttin. Auf ihr basieren die ägyptische Isis, die griechische Aphrodite, die römische Venus und andere regionale Gottheiten. Je weiter sich die Gottkulte entwickeln, desto präziser und konkreter werden auch die Gottheiten. Vor allem hinsichtlich ihrer prägenden Eigenschaften und Symbole.

Ishtar schart noch einen kleinen Zoo von Tieren um sich. Nur eines davon ist die Taube. Sie wird aber oft als Taubengöttin bezeichnet und auch gerne in Form einer Taube dargestellt und verehrt.

2.000 v. Chr.
Die griechische Mythologie übernimmt die Göttin Ishtar und macht aus ihr Aphrodite, die Liebes- und Sexualgöttin mit dem Faible für Entspannung, Frieden und Erfüllung. Eines ihrer Tiersymbole ist die Taube.

1.900 v. Chr.
Im sumetrischen Atrahasis-Epos wird erstmals die Geschichte der Sintflut geschildert. Ziusudra baut die Arche, zwei Götter wetteifern um die Menschen (der Eine will sie vernichten, der Andere schützen) – aber auch hier werden Vögel ausgesandt, um nach Land zu fahnden; erst die Taube, dann ein Schwan, zuletzt der Rabe.

1279 v. Chr.
Als der Pharao Ramses II. auf den Thron des ägyptischen Großreichs gelangt, werden Tauben freigelassen, um von diesem Ereignis zu bekunden. So wie man das heute noch bei Hochzeiten macht. Ob das ein gutes Omen ist, kann ich nur mutmaßen. Denn Ramses II. schafft, was kaum einem Pharao vor und nach ihm gelingt. Er hält über 50 Jahre lang Frieden mit seinen Nachbarstaaten.

1000 v. Chr.
Chinesische Mönche erfinden das Telefonklingeln, indem sie Tauben kleine Flöten aus Bambus und Kürbis auf den Rücken binden. So können sie schon vorab hören, wenn sich eine Brieftaube nähert. Die Tradition der Taubenflöte hat sich bis heute erhalten, wird in China aber kaum noch praktiziert.

800 v. Chr.
Der römische Chronist Diodor von Sizilien schreibt unter anderem über Semiramis, die Tochter der Fischgöttin Derketo und eines menschlichen Mannes. Bei ihrer Geburt wird sie von der Mutter an Land ausgesetzt und sich selbst überlassen. De Mutter erwürgt sich danach aus Scham selbst. Als das Kind später von einem Schäfer gefunden wird, beglucken es mehrere Tauben.

Eine andere Quelle sagt sogar aus, Semiramis wäre aus einem Taubenei geschlüpft. Aus Dankbarkeit fühlt sich die Schöne, die später zu einer der mächtigsten Königinnen des Babylonischen Großreichs aufsteigt, den Tauben ihr Leben lang verbunden.

800 v. Chr.
In Dodonna befinden sich die Überreste der ältesten und nach dem Orakel von Delphi wichtigsten Weissagungsstätte der antiken griechischen Welt. Der Chronist Herodot berichtet, dass aus Theben zwei schwarze Tauben kommen. Eine von ihnen fliegt schnurstracks nach Dodonna, setzt sich auf einen Eichenbaum und befiehlt mit menschlicher Stimme, hier ein Zeus geweihtes Orakel zu errichten.

Das Orakel wird dann auch so betrieben, dass man dem Rauschen des Eichenbaums lauscht und das Gurren der vielen Tauben rund um das Orakel interpretiert.

Machen wir uns nichts vor – Da waren auch eine Menge Drogen mit im Spiel.

750 v. Chr.
Die römische Liebesgöttin Venus ist eine weitere Verfeinerung der Gottheit Ishtar. Sie wird oft mit zwei Tauben dargestellt, die als ihre Boten fungieren. Die Vögel stehen noch deutlicher symbolischer für die Göttin, als das bei Aphrodite der Fall war.

600 v. Chr.
Viele Athleten, die an den Olympischen Spielen teilnehmen, haben Brieftauben im Gepäck. Wenn sie gewinnen, lassen sie die Vögel frei und informieren so ihre Sponsoren und Förderer in der Heimat über den Triumph.

550 v. Chr.
Die Perser sind ganz vernarrt in die Taube. Sie essen sie nicht nur gern und nutzen ihren Kot als Dünger. Sie züchten die Vögel auch mit Vorliebe. Allein in und um die Stadt Isfahan (heute im Iran) gibt es mehr als 3.000 Taubentürme.

Jeder dieser Türme bietet Platz für bis zu 14.000 Tiere. Also lebten um Isfahan mehr als 40 Millionen Tauben zur gleichen Zeit auf einem Gebiet von wenigen Quadratkilometern.

Wenn man das mit den heutigen „Taubenplagen“ vergleicht, muss man fast lachen.
Man sieht wieder einmal: Alles nur eine Frage der Perspektive.

330 v. Chr.
Der griechische Philosoph und Naturforscher Aristoteles ist der Erste, der in einer chronistischen Abhandlung die Taubenzucht beschreibt.

250 v. Chr.
Jetzt kommen wir zur biblischen Variante der Sintflut. Noah schickt drei weiße Tauben auf die Suche nach Land. Der erste Flug gilt dem alten Bund, der zweite Flug steht für Jesus Christus (die Taube kehrt mit einem Ölzweig zurück, der die Salbung Christi symbolisiert). Beim dritten Flug schließlich findet der Vogel das erhoffte Land und kehrt gar nicht zur Arche zurück. Dieser Flug symbolisiert den Heiligen Geist.
So überliefert es uns das Alte Testament.

70 v. Chr.
Julius Caesar setzt in seinen römischen Expansionskriegen mit Vorliebe spezielle Brieftauben ein, um sich über den Stand der Dinge an der Front tagesaktuell informieren zu können und aktiv ins Geschehen einzugreifen.

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Jesus Christus erblickt das Licht der Welt. Das hat zunächst mal nichts mit der Taube zu tun. Aber dieses Datum ist wichtig, weil es gleichzeitig die eigentliche Geburtsstunde des Christentums darstellt. Und die Religion wird sich in den folgenden Jahrhunderten noch sehr häufig der Taube als Segens-, Hoffnungs- und Friedenssymbol bedienen.

Anmerkung der Redaktion: Ende erster Teil.
Bildrechte: Allessandro Allori

2 Gedanken zu „Die Taube im Wandel der Zeit“

  1. Endlich gibt’s auch eine Zeitung/Zeitschrift über Tauben! Ich wünsch Euch viel Erfolg und viele Ausgaben, damit die Öffentlichkeit wieder ein wenig mehr über diese liebenswerten und gutartigen Wesen aufgeklärt werden kann. ❤

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  2. Ich bin so begeistert, voller Hoffnung und Zuversicht. So eine tolle Umsetzung. Ihr seid ein Segen für die Tauben! Viel Erfolg. Ich freue mich auf die folgenden Ausgaben.
    Herzliche Grüße,
    Taubenfreunde Kiel

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