Florian Obermüller
Herausgeber der TaubenUmschau

Vorwort zur ersten TaubenUmschau

Die folgende Situation ist fiktiv. Ich habe sie so oder so ähnlich aber auch schon hundert Mal erlebt: Ich schlendere durch die Stadt, checke die neuesten Meldungen auf meinem Smartphone, studiere interessiert die Auslagen in den Schaufenstern der Ladenzeile, kaufe mir an einem Imbiss eine Brezel und einen Kaffee und setze mich dann auf eine Bank mit Blick auf einen kleinen Brunnen, um meinen Snack zu mir zu nehmen.

Mir geht es richtig gut und ich lasse meinen Blick entspannt durch die weitläufige Fußgängerzone schweifen. Mir fallen ein paar Tauben auf, die sich nahe dem Brunnen niedergelassen haben. Ihr Gefieder schillert in verschiedenen Grau- und Blautönen im Sonnenlicht. Sie picken nach Essensresten. Und, ich bin ehrlich – ich verfüttere zwar kein Brot an Vögel, aber als Halter von Papageien habe ich immer ein paar Saatkörner und Nüsse in den Taschen. Die klaube ich zusammen und lasse sie möglichst unauffällig fallen.

Ganz so unbemerkt blieb meine Aktion wohl doch nicht. Plötzlich kommen aus dem Nichts drei weitere Tauben angeflogen und landen nur einige Meter von mir entfernt, um zu kontrollieren, was mir da wohl aus der Tasche gefallen sein mag. Mir wird mal wieder bewusst, wie schlau Tauben sind.

Der magische Moment wird jäh zerstört, als plötzlich ein kleines Kind auf die Tauben losstürmt und sie lachend in die Flucht treibt. Aus den Augenwinkeln sehe ich die entzückte Mama, die sofort das Handy zückt und ein Foto von ihrem Kind macht. Wahrscheinlich ein Schnappschuss für die sozialen Medien. Sie erwischt wohl den Moment, als die Vögel vor dem Kind auseinanderspritzen, sich einige Meter zurückziehen, die Lage beurteilen und dann erneut landen.

Sie sind es scheinbar gewohnt, herumgeschubst zu werden. Doch wieder ist ihnen keine Ruhe vergönnt: Ein mittelgroßer Pinscher schießt mit vollem Tempo und laut kläffend auf die Tauben los. Seine Flexileine hängt schlaff. Der Halter sagt nichts dazu. Er liest eine Tageszeitung und pafft gelangweilt eine Zigarette. Die Tauben fliegen erneut hektisch auseinander und suchen jetzt endgültig das Weite. Der Hund bleibt verwirrt an der Stelle stehen, wo gerade noch sein vermeintliches Spielzeug saß und trottet dann mürrisch zurück zu seinem Halter.

Auch mich hält nichts mehr an diesem Ort, denn ich habe aufgegessen. Ich knülle mein Brezelpapier zusammen und werfe es in den überquellenden Mülleimer, der neben der Bank angebracht ist. Dann klopfe ich mir die Brotkrümel von der Jacke, stehe seufzend auf und gehe weiter. Meinem nächsten Termin entgegen. Als ich dort ankomme, habe ich die Tauben längst wieder vergessen.

Zurück bleibt nur ein kleines Stück schlechtes Gewissen. Weil etwas geschehen ist, gegen das ich als Vogel- und allgemein Tierfreund eigentlich etwas tun müsste. Warum habe ich das dann aber nicht getan? Warum streite ich seit Jahrzehnten unermüdlich für die Rechte und Bedürfnisse der Papageien und Ziervögel und bei einem Wildvogel wie der Taube verschließe ich meine Seele und nehme die Zustände einfach so hin?

Nachdem mir dieses schiefe Verhältnis in meiner Tierschutz-Arbeit vor einigen Monaten so richtig bewusst geworden ist, lässt es mir keine Ruhe mehr. Und darum habe ich beschlossen, aktiv einzutreten für den Respekt, die Achtung und die Bedürfnisse gegenüber Tauben und allen anderen Wildvögeln und Wildtieren, die gemeinsam mit uns Menschen als so genannte Kulturfolger in den Städten leben.

Aus Gedanken reifen Worte. Und aus den Worten sollen nun richtige Taten erwachsen. Darum stelle ich meiner seit 2016 erfolgreich etablierten „PapageienUmschau“ mit diesem Magazin erstmals die „TaubenUmschau“ kollegial zur Seite.

Wie die große Schwester wird auch die TaubenUmschau gratis erhältlich sein und mit einem stimmigen Mix aus Beiträgen rund um die Wild- und Zuchtrassen der Columbidae (so der lateinische Gattungsname der Tauben) allen Taubenfans ein regelmäßiges Podium bieten. Und hoffentlich sehr viele neue Fans gewinnen können.

Wirken Sie aktiv dabei mit, den Ärmsten unter den Vögeln zu helfen. Seien Sie ein Teil davon, aus den „Ratten der Lüfte“ mittelfristig wieder wenigstens die „Taube auf dem Dach“ zu machen, die sie noch vor 50 Jahren war. Mein langfristiges Ziel ist es natürlich, das göttliche Image zu erneuern, das die Taube seit ihrer Zeit als erhabene Janu im alten Sumerien (ca. 3.000 v. Chr.) innehatte und durch die Jahrtausende in fast alle Religionen dieser Welt als Friedensbotin trug.

Mit Ihrer Hilfe geben wir der Taube eine Stimme und polieren ihren Ruf wieder auf. Also werden Sie jetzt aktiv: Lesen Sie die TaubenUmschau, geben Sie das Magazin an Bekannte und Freunde weiter oder empfehlen Sie uns. Werden Sie Verteiler des Magazins oder motivieren Sie andere dazu, sich als Verteilstelle zu registrieren. Und unterstützen Sie uns bei der Produktion und Gestaltung der kommenden Ausgaben. Ohne den steten Funken für die Idee und die Sache kann sich kein Feuer entzünden.

Mit gefiederten Grüßen
Melanie Hagenreiner – Nicolle Müller – Florian Obermüller

Schreiben Sie uns ...